| Franken für Amman | |||||||||
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In der inzwischen sengenden Sonne gehen wir zu sechst bis zum Eingang des 1200 Meter langen Siqs, einer Felsschlucht. Dieser empfängt uns mit angenehmer Kühle, erstaunlichen Aus- und Aufblicken und den ersten Beispielen der Baukunst der Nabatäer. Ein kleiner Kanal schlängelt sich in den Fels gehauen seitlich am Weg mit. An den Engstellen quetschen sich Menschen, kleine Jungs auf Eseln, Pferde mit Kutschen und Kamele durch die engen Sandsteinwände. Plötzlich taucht die Fassade des Schatzhauses Khazne al-Firaun auf, mit jedem Schritt zum Ende der Schlucht hin wird der Ausschnitt größer und offenbart eine Meisterleistung der Nabatäer. Die prächtige Fassade des Felsgrabes aus dem 2. Jahrhundert nach Christus ist fast 40 Meter hoch und wirkt riesig in diesem engen Ende des Tales. Wir folgen nun dem Tal, das uns weiter an beeindruckenden Steinmetzarbeiten und Sandsteinformationen vorbei führt. Dazwischen immer wieder kleine Souvenirstände mit angeblich antikem Kleinkram und die jungen Beduinen, die lautstark ihre donkeys für die Fußlahmen anpreisen. Linkerhand kommen wir an das alte römische Theater, das einst über 5000 Zuschauern Platz bot, jetzt lärmen arabische Teeniegruppen und testen die Akustik des Bauwerkes. Unsere Gruppe hat sich inzwischen getrennt, zu verschieden sind Zeitvorstellungen und Besichtigungswünsche. Ich mache mich auf, die "Königswand" auf kleinen Treppen zu erklimmen. Diese ist gegenüber des Theaters und birgt das Palastgrab, das den größten Saal der ganzen alten Stadt Petra hat. Von hier oben bietet sich ein wunderbarer Blick über das Gelände, man bekommt einen Eindruck, wie mächtig die Stadt damals gewesen sein muss. Weiter geht’s, teilweise wieder gemeinsam, über eine alte phönizische Kirche mit Mosaiken am Boden, bis an das "Touri-Ende" der Anlage, hinter dem Museum gehen wir noch ein Stück weiter bis zum "Löwensaal", durch kleine zerklüftete Schluchten, durch die ganze Ziegenherden getrieben werden. Wir überlegen noch, hoch zum Kloster zu wandern, denken dann aber doch an den Rückweg und nehmen uns lieber vor, auf dem Rückweg noch ein paar Abstecher zu machen. Beim großen Tempel biegen Edgar und ich ab und versuchen den Bergpfad zu finden, der uns zu den Opferplätzen hoch oben über dem Tal führen soll. Leider ist die Route im Reiseführer von der anderen Seite beschrieben, aber wir entdecken weitere wunderschöne Felsnischen und Höhlen, jetzt vollkommen abseits des Touristenstroms. Prächtige Färbungen des Sandsteins, von dunkelrot über ein schwefeliges Gelb bis zu fast reinem Weiss – man kann den Blick und das Objektiv nicht abschweifen lassen... Wir stehen in der staubigen Hitze, ohne viel Vegetation, nur Steine, Trockenheit und Sand. Da beginnt es plötzlich zu regnen, nur ein paar einzelne Tropfen, aber man fühlt die Kühle auf der Haut und kann so leichter verstehen, dass der ganze Berg mit alten Wasserkanälen durchzogen ist. Nachdem wir uns eingestehen, dass wir den Opferplatz nicht finden (Schilder oder Wegweiser gibt’s hier nicht, aber Wege und kleine Pfade etliche – daher wird die Orientierung sehr schwer), steigen wir durch das Theater ab, abenteuerlich, ich fühle mich an manchen Stellen so ohne Klettergurt nicht wirklich wohl. Inzwischen leert sich das Tal zunehmends, andere Rallyeteams sehen wir kaum welche, und auch die restlichen Touristen sehen sich abgekämpft nach einem Vierbeiner um. Wir marschieren (geizig wie wir sind) den ganzen Weg zurück, durch den As-Siq eröffnen sich im Abendlicht noch mal ganz andere Perspektiven, die Sandsteine leuchten wunderschön im warmen Licht. Die geschotterte "Autobahn" nach oben zum Eingang haben wir zunächst wieder verdrängt – jetzt, wo wir den Weg noch gehen müssen, zieht er sich gescheit. Auf der Nebenbahn jagen unermüdlich die Reiter ihre Pferde im Rallyetempo entlang, jetzt wo kaum mehr Touristen da sind, scheinen die Einheimischen miteinander Wettrennen zu reiten. Am Auto erstmal Trinken, Trinken. Staubig von oben bis unten und müde, aber voll mit schönen Eindrücken einer großartigen alten Stadt fahren wir in unserem ebenso staubigen Grobi zum nächsten Hotel: Im Reiseführer lesen wir, das "Taybet Zaman" sei ein altes verlassenes Dorf, das zu einem 5-Sterne-Hotel umgebaut wurde. Wir finden es sogar relativ schnell, etwa 10 km von Petra entfernt, an einem Hang mit grandiosem Blick auf die umliegenden Hügel. Alle fast 100 Zimmer sind in kleinen alten Häuschen untergebracht, meist jedes Zimmer ein eigenes Haus. Einige mit kleinen Vorhöfen, Olivenbäumchen, türkisfarbene alte Fensterläden. Wunderschöne kleine Gassen, ein von Blumen und Bäumen übersäter Dorfplatz, ein kleiner Souk, Hammam, Pool, Hubschrauberlandeplatz, es fehlt an nichts! Beim Einchecken bekommen wir einen richtigen kleinen "Stadtplan" des Hotels, wir sind völlig fasziniert und unser erster Gedanke war sofort: hier könnten wir den ganzen Rest bleiben! Das ging vielen anderen auch so, wir werden hier so genial für die ganzen Wildzelten-Nächte auf der Rallye entschädigt. Das Abendessen ist ein orientalischer Traum, meterlange Buffets mit allem, was das Herz begehrt: Die Vorspeisen eher arabisch, bei den Hauptgerichten werden hier, wie auch in den anderen Hotels, oft internationale Gerichte neben den orientalischen angeboten. Edgar und ich schlagen immer noch gern bei den arabischen zu, viele andere freuen sich aber auch auf Nudeln und Fleisch, das nicht Hammel ist J . Das beste Dessertbuffet der ganzen Reise rundet diesen Abend perfekt ab, ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, was es für Leckereien in 1001 Nacht gibt... Last changed: 22 May 2009 at 22:03 ZurückKommentareKommentieren |
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