| Franken für Amman | |||||||||
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Doch erstmal wartet noch der Rest der "Kings Road" auf uns, den südlichen Teil sind wir gestern schon auf dem Weg nach Petra gefahren, heute lassen wir den Highway links liegen und entscheiden uns für die landschaftlich schönere Strecke. Bei Al-Shawbak entscheiden sich Ralf und Marion, noch mal zurückzufahren, da sie die Mosesquelle besichtigen wollen. Wir verstehen es zwar nicht ganz, aber so fährt unser Team wieder mal nicht mehr im Formationsflug. Die Fahrt durch die Berge östlich des Wadi Araba (das Tal, das bis zum Toten Meer führt) ist kurvig und heiß. Die Temperaturen liegen inzwischen irgendwo bei 35-40°, um uns herum staubige Einöde. Die Faszination der kahlen Felsformationen und Steinwüsten lässt langsam nach, schläfrig durch die Hitze sieht man oft nur noch sandbraun mit vereinzelten Nomadenzelten, kleinen Häusern und Ziegenherden. Weiter durch al-Karak, die Stadt liegt schon auf der Höhe des Toten Meeres, nur 40 km entfernt in den Bergen. Den Abstecher zum Toten Meer können wir heute noch nicht machen, da dort eine Konferenz mit Gästen aus aller Welt stattfindet und somit das komplette Areal um das Tote Meer Sicherheitszone ist. Nach etwa 170 Kilometern dann mal ein ganz anderes Motiv: Wir schrauben uns die Serpentinen zum Wadi al-Mujib herunter, als plötzlich unser Blick auf einen großen Stausee fällt, der King’s Highway überquert sogar die Staumauer des Mujibdammes. So eine Wasserfläche wirkt so unnatürlich in dieser Steinlandschaft, wir verstehen auch nicht ganz, wieso das ganze Ufer des Sees genauso kahl ist wie die angrenzenden Hänge. Über Madaba fahren wir von Süden kommend nach ungefähr 300 Tageskilometern nach Amman ein, die Stadt macht auf den ersten Blick einen weit westlicheren und "un-orientalischeren" Eindruck als alle Städte, die wir bisher durchfahren haben. Wir sind zunächst planlos und halten uns in Richtung Zentrum, gehen wir doch davon aus, dass ein großes, angesehenes Hotel eher in der Stadtmitte liegt. Dann fragen wir an einer roten Ampel (ja, manchmal hält sogar das "Franken-für-Amman"-Team an roten Ampeln!) einen Taxifahrer nach dem Le Royal. Mit einem leichten Grinsen mustert er unsere verdreckten, halb scheibenlosen Autos und erklärt uns erstmal, dass das "Le Royal" ein 5-Sterne-Hotel sei! Als wir immer noch interessiert sind, schreit er uns über den aufbrausenden Lärm der Ampelgrünschaltung zu, dass wir es am 3. Kreisel finden. Mit der Info sind wir überglücklich, den die 8 Kreisel sind das Orientierungsmerkmal in Amman, hat man einen gefunden, findet man die anderen auch. In den nächsten Tagen wissen wir auch, dass man von der anderen Seite aus die Kreisel völlig unproblematisch findet. Von unserer Seite aus dauert es noch ein paar Mal nachfragen, wenden (dabei gleich das römische Theater fern-besichtigt) und sich durch kleine Gassen schieben, bis wir den ersten und innersten Kreisel finden, um dann schon ab dem zweiten Kreisel den pompösen Sandsteinbau des "Le Royal" vor uns aufragen zu sehen. Wir fahren erst dran vorbei, um eine U-Turn-Möglichkeit zu finden. Uns fallen die massenhaft angesammelte Polizei- und Militärpräsenz in dieser Strasse auf, überall wird patrouilliert. Wir machen auf der 4spurigen Straße einen halsbrecherischen U-Turn mit immensem Hupkonzert, Reifenquietschen und wütenden Ausrufen. Aber es klappt, wir fahren an vielen Uniformierten vorbei in die Einfahrt des Hotels, werden sehr freundlich begrüßt, unsere Autos auf Sprengstoff untersucht. Vor uns ein kleiner Rallyeauto-Stau, da bei der Einfahrt in die Tiefgarage das Team mit dem Pfungstädter-T3 sich die Ladung auf dem Dachgepäckträger abmontiert hat. Dann geht’s hinab auf Ebene B5, das heißt 5 Stockwerke unter Null. Hier gibt’s es sogar kleine Plastikpalmen-Anpflanzungen auf den Verkehrsinseln in der Tiefgarage! Ich werd nicht mehr... Neben den Luxuskarossen der anderen Hotelgäste stehen jetzt ramponierte Rallye-Autos, ohne Stoßstangen, zerbrochene Fenster, ausgefranste Aufkleber und über allem: Staub, Staub, Staub. Jetzt ist es fast 17:00 Uhr, und wir beschließen, dass wir heute zu faul sind, in den Autos klar Schiff für die Abgabe zu machen. Später in der Lobby stellt sich heraus, dass diese Faulheit mal wieder richtig gut war: Wir werden nämlich gar nicht die restlichen drei Nächte hier im Le Royal verbringen, sondern alle Teilnehmer, die mit der Sondermaschine zurückfliegen, bleiben zwei Nächte hier und verbringen die letzte Nacht nach der Abgabe der Autos in einem Hotel in der Nähe des Flughafens. Das Einchecken im Royal ist Chaos, teilweise doppelt belegte Zimmer, alles dauert ewig, ein Haufen Leute sind genervt. Ralf und Marion sind erstaunlicherweise schon vor uns da gewesen, irgendwie geraten wir immer ins Zeitloch. Also schnell im schicken Hotelzimmer Duschen, der Blick aus dem 15. Stock ist erhaben, dann treffen sich Chris, Bettina, Edgar und ich in der Lobby, um mal eine Runde in die Stadt zu laufen, wir wollen alle noch ein paar Mitbringsel shoppen gehen. Wir laufen etwa eine knappe Stunde, schlendern, bestaunen die "Sortierung" der Straßenzüge, erst nur Möbelgeschäfte, dann dutzende Shops mit Gardinen, dann nur Videotheken (oder heißen die dann DVDtheken?) und so weiter. Aber kein Souk oder nur annähernd der Flair von Damaskus. Dann merken wir, dass es viel zu weit zum Heimlaufen ist, denn um 20:30 startet ja das große Abendessen im Ballsaal! Wir nehmen uns ein Taxi, handeln 3 Dinar aus und lassen uns mal chauffieren, auch nicht schlecht. Erst jetzt wird uns so richtig bewusst, wie weit wir gelaufen sind, denn von hier aus haben wir uns nachmittags auch den Weg zum Hotel gesucht. Auf einmal überholt das Taxi den Leichenwagen und den Traffic vom Team Nr. 7, wir winken schnell aus dem Fenster raus und schon lotst unser Taxi auch die fünf "Bahnhöfler" zum Nobelhotel. Wieder eine ähnliche U-Turn-Situation wie am Nachmittag, nur dass es sich jetzt um ein einheimisches Taxi, einen Leichenwagen und einen schrottigen Renaultbus handelt. Erschwerend kommt hinzu, dass wir uns einer Sicherheitseskorte in den Weg stellen, irgendwelche wichtigen Personen in sehr großen dunklen Autos wollen genau dann vorbei, als wir die 4 Spuren der Schnellstraße blockieren... Jetzt aber schnell in den Ballsaal in der Tiefgarage. Schon auf den weitläufigen Gängen davor wird das riesige Buffet aufgebaut, der Ballsaal selbst ist ein dreistöckiger Prunkbau, viel Gold und dunkelblau, in der Mitte unter einer riesigen Kuppel aus verschiedenblauem Glas hängt ein Kronleuchter, so groß habe ich noch keinen gesehen. Im Saal sind viele runde 10er-Tische angeordnet, Kellner flitzen herum und bringen umsonst Wasser und Saft, sogar Mangosaft gibt es, Edgar und ich freuen uns. Die Biertrinker unter den Rallyeteilnehmern werden dafür etwas ungeduldig, denn es gibt nur Saft und Wasser. So verabredet man sich für danach im "beerkeller", der anders als vermutet aber im 2. Stock ist. Doch dort ist es gescheit rauchig, und billig auch nicht wirklich, also verzieht sich ein Teil des Teams auf die feinen Zimmer, der Rest lässt es sich in der Bar im englischen Stil gut gehen. Last changed: 22 May 2009 at 21:46 ZurückKommentareKommentieren |
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