| Franken für Amman | |||||||||
|
Wir starten Richtung Nord-Jordanien, als erstes steht Umm Qais auf dem Programm, wo sich die alte römische Stadt Garada befand. Wir fahren die Strecke durch die Berge, über Jerash und Irbid, um dann auf dem Rückweg das Jordantal entlang zu fahren. In Umm Qais sehen wir nur kurz die alten Ausgrabungen an, viel Zeit bleibt nicht, der Officer der Tourist Police schiebt uns bis zum Aussichtspunkt am Ende der Anlage. Hier stehen wir nun, und er erklärt uns, dass die Berge, die sich nur ein paar Kilometer vor uns auftun, die Golanhöhen sind. Für uns sehen sie natürlich aus wie alle Berge hier, kahl, sanft geschwungen und steinig. Aber das Gefühl, dass wir uns in einer Ecke befinden, von der wir sonst nur Negatives in den Nachrichten hören, lässt uns nicht los. Noch ein Blick bis zum See Genezareth, hier war wirklich die Wiege der Menschheit! Die Zeit ist knapp, manchmal ist es etwas problematisch, die genauen Zeiten rauszukriegen, wann wir wo sein sollen, die beiden von der Reiseleitung erwischt man äußerst schlecht. Im Grunde hätten wir die Tour auch allein machen können. Aber manche Sachen weiß man halt erst am Ende, und wir wären dann mit Sicherheit niemals in solchen Hotels untergekommen! Weiter geht’s im Konvoi nach Al-Shuna zu der heißen Quelle. Wir passieren unzählige Wachposten, Vorgrenzposten oder was auch immer. Schwer bewaffnet, aber sie grüßen alle sehr freundlich, die Rallye hat Narrenfreiheit. Wer den Blick hoch auf die Berge wirft, sieht die israelischen Posten an den Bergkämmen. Hier unten im Tal ist die Grenze zu Israel zum Greifen nahe, man weiß zwar nie, welcher der zahlreichen Stacheldrahtzäune der eigentliche ist, aber wir sind sehr nah dran, die Übermacht an Militär bestätigt das. In Al-Shuna wird die Rallye vom ganzen Dorf erwartet, es sind Zelte und ein Mittagsbuffet aufgebaut, dazu gibt es die Möglichkeit, in der heißen Quelle zu baden, die in einem Hallenbad gesammelt wird. Ich strecke mal die Füße rein, es ist verdammt heiß und riecht nach Schwefel. Also nicht wirklich das Gefühl, dass man an einem über 30° heißen Tag braucht... Manche Rallyefahrer gehen komplett rein, Respekt! Draußen dann die üblichen Ansprachen in Englisch und Arabisch, der Bürgermeister des Ortes und eine Ulmerin, die seit Jahren dort verheiratet und nun die Frauenbeauftragte ist. Aufgrund der Problematik, dass die Zeit so knapp ist, können wir nicht weiter nach Norden zu den Flüchtlingslagern fahren. Wir sind ziemlich enttäuscht, aber einen Teil der Hilfslieferungen können wir hier lassen, sie werden dann zu dem Lager gebracht. Dafür gibt uns die Deutsche ihr Wort, und wir lassen in Al-Shuna die Krücken, eine Kiste mit Kindersachen und die gespendeten Essenspakete da. Inzwischen ist es brutal heiß, es ist fast unmöglich, in die Autos zu steigen, die in der Sonne gestanden haben. Gegen halb 3 starten wir zum Rückweg – schließlich ist heute die Siegerehrung! Da wir noch durchs Jordantal wollen, lassen wir die Polizeiautos links liegen und fahren ohne Konvoi – denkste, hier ist nichts ohne den Konvoi. Aber es hatten anscheinend mehrere Teams die Idee, nicht in der Gluthitze und dem Schwefelgestank bis zum offiziellen Aufbruch um 15:00 zu warten, und so fährt der erste Konvoi los. Nach ein paar Kilometern biegen die Polizeiautos ins Landesinnere nach Amman ab, nachdem Chris gefunkt hat, dass auch sie so schnell wie möglich zurück wollen, scheren wir hinter Jo und Erik mit ihrem Passat aus dem Konvoi aus – die beiden wollen auch im Jordantal zurückfahren. Das Reisetempo passt perfekt, die Strasse ist nicht so ein elendiges Rumgekurve und die Hitze ist eh überall. Die ganzen restlichen Polizei-Militärkontrollen funktionieren auch ohne Konvoi, die Rallyeautos scheinen bekannt zu sein, uns wird freundlich zugewunken, die Soldaten sitzen im Schatten auf ihren Panzern, das Mündungsrohr meist auf die Kontrollstelle gerichtet. Merkwürdiges Gefühl, wie mag es den Leuten ergehen, die hier durchmüssen, aber nicht so einen "Freipass" wie wir haben? Wir fahren etwa 50 Kilometer im Jordantal, danach geht es wieder in die Berge hoch, um dann über den Highway von Nordwesten nach Amman rein zu kommen. Vor dem Hotel heute nicht nur Soldaten, sondern nun auch links und rechts je ein Panzer, noch mehr Soldaten und aufgeregtes Gewusel der Bediensteten. Es ist klar erkennbar: die Prinzessin kommt heute! Jo’s Passat vor uns wird noch kurz auf Sprengstoff kontrolliert, uns winken sie lächelnd einfach durch, ab in die Tiefgarage, endlich Schatten, endlich vermeintliche Kühle (wenn man vom Hotel aus in die Garage geht, kommt es einem sehr warm vor...) Wir machen noch Mülltrennung im Auto, schließlich müssen wir uns morgen von Grobi trennen... Es gibt vier Stapel: 1. mit hoch ins Hotelzimmer, weil in Rucksack, 2. im Auto, aber behalten und irgendwie mit nach Deutschland schleifen, 3. in Jordanien lassen (wird an der Käserei übergeben), 4. Mülltüte. Naja, im Endeffekt war es halt, den Müll mal wegbringen und den Kleinkram etwas zusammensortieren, schließlich haben wir über zwei Wochen hier drin gewohnt, und bei so großem Platzmangel verschwindet dann alles in die kleinsten entlegenen Winkel eines Autos. Dann hoch, Duschen und schön machen für die feierliche Zeremonie. Hoch oder runter, das hört sich immer so leicht an, aber ist im "Le Royal" auch schon mal mit richtig langen Wartezeiten verbunden. Die drei unteren Aufzüge fahren alle von B6 bis zum 10. Stock (der letzten "öffentlichen" Etage), die drei oberen fahren von B3 (Ballsaal) bis zum 24. Stock. Um also von der Tiefgarage in sein Zimmer zu kommen, muss man umsteigen. Und irgendwie sind zu Stoßzeiten die Aufzüge hoffnungslos ausgelastet, die piepsen sogar, wenn sie überladen sind, und dann geht gar nichts mehr, bis irgendjemand wieder aussteigt... Edgar und ich sind pünktlich um kurz vor halb 7 unten und belegen uns gleich mal einen Tisch, heute haben wir keine freie Platzwahl mehr, denn eine Menge Tische steht den Jordaniern zu, wir dürfen an denen mit dem "Rallye participants"-Schild Platz nehmen. Den 10er Tisch stocken wir kurzerhand um einen Stuhl auf, als sich Christian, Uwe, Stefan, Hai und Lorenz vom Team Nr. 7 zu uns setzen. Dann beginnt die Siegerehrung, zunächst kommen die ganzen 4. Plätze. Es dauert immer länger, aber dann kommt Wilfrieds Aufruf "Team Nr. 27" und wir gehen aufgeregt nach vorne, bekommen dort von Floh, Marlie und Norbert die Medaillen umgehängt. Nach uns sind gleich die Bahnhöfler dran, so können wir gegenseitig Photos von uns machen. Unser Lösungs- und Tagebuch bekommen wir zurück, leicht enttäuscht suchen wir vergebens nach einer Punktzahl oder der Wertung der einzelnen Aufgaben. Bald wird es ernster: Es tauchen immer mehr Sicherheitsleute auf, schwarze Jacketts mit Knopf im Ohr, es wird auf einmal klassische Musik gespielt, dann gehen die Türen auf und Prinzessin Basma kommt in einer Traube Menschen in den Saal. Jeder, der nicht direkt daneben saß, probiert in den nächsten Minuten rauszufinden, wer denn jetzt eigentlich die Prinzessin ist. Doch spätestens bei der Verleihung der ersten drei Plätze sieht es jeder, in einem hellen Kostüm, sehr schlicht und natürlich ohne Krone oder Kleid (bestimmt sehr zur Enttäuschung von vielen kleinen Töchtern daheim, die sich auf "echte" Prinzessinnen-Bilder gefreut haben :-)) Der Platz drei geht an die Styrian Speed Sisters, eines der beiden reinen Frauenteams. Spätestens da wird uns klar, dass wir nicht gewonnen hätten, wir haben die Sisters mal kurz in Griechenland getroffen und im Gespräch rausgehört, dass die vier sich ganz schön Mühe gegeben haben mit der Lösung der Aufgaben. Platz 2 an Mikado Allgäu, von denen wir bisher noch kaum was gehört haben. Für den 1. Platz wird langsam mit dem Bühnenaufzug ein echtes, kleines Kamel nach oben geliftet! Es bleibt spannend, wer ihm einen neuen Namen geben darf! Die Gewinner sind: "Kette rechts und Bremse offen e.V." (KRBO)! Auch dieses Team hat unseren Weg nur selten gekreuzt. Jetzt, wo alle Teams noch mal beisammen sind, wird bewusst, dass man im Grunde immer die gleichen 5-7 Teams um sich hatte, bei uns war es ja noch verschärfter, durch unsere sehr nördliche Route mit der Tschechei und Slowakei haben wir ja erst an der Grenze zu Rumänien das erste andere Team getroffen. Weiter geht’s mit speziellen Ehrungen, Marc für das abgefahrenste Auto, seinen Käfer-Speedster-Umbau, Bernhard Hoecker, das Pärchen, das die Strecke mit dem Mopped gefahren ist, das Team vom "Lauschangriff" dafür, dass sie die Zeit der Anschlussreise für die Anpassung der Hörgeräte genutzt hat. Und sie sind noch nicht mal ganz fertig geworden, daher nehmen sie die paar Tage, die sie nach der Siegerehrung noch für sich Urlaub machen wollten auch noch für die restlichen Anpassungen. Hut ab, ihr seid klasse! Das andere Frauenteam, die Allgäuer Dirndl Power, haben es sogar geschafft, dass sie ihren Rallyesong auf der Bühne vorführen dürfen, Prinzessin Basma klatscht mit! Alles in allem ein gelungener Abend, mit weiteren Tanzvorführungen, Reden, einem Wahnsinnsbuffet (Wahnsinn auch, dass während du dir Nachtisch auf einen Teller lädst, ein Soldat mit Maschinengewehr in der Hand 2 Meter neben Dir steht, schräge Welt). Als die Prinzessin weg ist, beginnen die Kellner noch flinker als sonst alles abzuräumen. Man muss wirklich sein Besteck festhalten, will man es nicht verlieren... Diese Putzwut macht das Dableiben ungemütlich, so entschließen wir uns, hoch in den 10. Stock zu schauen. Die "Chesters Bar" hat eine schöne Außenterrasse mit einem beeindruckenden Blick über Amman. Da trinken wir mit den Bahnhöflern noch ein paar Bierchen, die Nachtluft ist wunderbar lau. 15 Meter neben uns haben zwei Soldaten an der Brüstung ihr Scharfschützengewehr mit Stativ aufgebaut, und wir sitzen hier und schlürfen Cuba Libre ohne Eis (weil man sonst nur Eis hat und nichts anderes...) Irgendwann gewöhnt man sich bestimmt an so was... Ob’s bei mir bis morgen noch klappt, ist fraglich. Last changed: 22 May 2009 at 21:37 ZurückKommentareKommentieren |
||||||||
| Copyright © 2009 -- Franken für Amman | Design by 1234.info | Powered by Website Baker | |||||||||